DIHK: Heraus­for­de­run­gen für Unter­neh­mens­nach­fol­gen wachsen

Wachsende Herausforderungen für Unternehmensnachfolgen

Die Heraus­for­de­run­gen für Unter­neh­mens­nach­fol­gen wachsen: Dies zeigt der recht­zei­tig zum Jahres­en­de veröf­fent­lich­te Report des DIHK zur Unter­neh­mens­nach­fol­ge­si­tua­ti­on in Deutsch­land. Dabei wird eines deutlich: Eine gelin­gen­de Unter­neh­mens­nach­fol­gen im Mittel­stand  bedeu­tet auch 2017 keinen Automa­tis­mus. Der abgeben­de Unter­neh­mer steht vor wachsen­den Heraus­for­de­run­gen.

Der nunmehr vorlie­gen­de DIHK-Report basiert auf einer Auswer­tung von über 21.000 Gesprä­chen und Kontak­ten mit Senior-Unter­neh­mern und Kaufin­ter­es­sen­ten, die in den IHKs in Deutsch­land im Rahmen der Nachfol­ge­be­ra­tun­gen im Jahr 2015 geführt worden sind.

DIHK sieht wachsen­de Heraus­for­de­run­gen für Unter­neh­mens­nach­fol­gen

Zu beach­ten ist, dass die im Report aufge­führ­ten Ergeb­nis­se eine Auswer­tung der Beratun­gen darstel­len. Sie geben keinen Hinweis auf die tatsäch­li­che Übernah­me­si­tua­ti­on.

Nachfol­gend fassen wir die wichtigs­ten Ergeb­nis­se des DIHK Report zusam­men:

  • Wachsen­de Heraus­for­de­run­gen für Unter­neh­mens­nach­fol­gen: Genera­ti­ons­wech­sel müssen von der abgeben­den Unter­neh­mer­ge­nera­ti­on zuneh­mend extern geregelt werden. Damit kommt der Suche nach einem geeig­ne­ten Nachfol­ger eine immer größe­re Bedeu­tung zu. Zugleich geht eine zuneh­mend immer selbst­be­wuss­te­re Genera­ti­on „Y“ oftmals eigene Wege, so dass von einem „Famili­en­über­nah­me­au­to­ma­tis­mus“ nicht mehr gespro­chen werden kann. Dieser Bedeu­tung kommt nach, dass die Zahl der Beratun­gen zur exter­nen Nachfol­ge um 9% gegen­über dem Vorjahr zugenom­men hat.
  • Kaufin­ter­es­sen­ten nehmen zu: Erfreu­lich ist, dass im gleichen Zeitraum die Zahl der Kaufin­ter­es­sen­ten ebenfalls zugenom­men hat. Im Beratungs­er­geb­nis der IHKs bedeu­tet dieses, dass ca. 20% mehr Beratun­gen poten­ti­el­ler MBIs erfolgt sind. Dennoch bleibt eine Diskre­panz bestehen zwischen zu regeln­den Unter­neh­mens­nach­fol­gen und poten­ti­el­len Überneh­mern. Der daraus resul­tie­ren­de Käufer­markt bietet Nachfol­gern die Chance, aus den attrak­tivs­ten und am besten vorbe­rei­te­ten Unter­neh­men zu wählen.
  • Zuwachs im Osten: Vor allem im Osten Deutsch­lands erhält die Suche nach exter­nen Nachfol­gern eine hohe Bedeu­tung. Im Vergleich zum Vorjahr haben 23% mehr Senior-Unter­neh­mer die Beratung einer IHK gesucht, um sich mit dem Thema Nachfol­ge ausein­an­der­zu­set­zen. Aufgrund der spezi­fi­schen demogra­fi­schen Situa­ti­on sind die Heraus­for­de­run­gen für Unter­neh­mens­nach­fol­gen im Osten deutlich höher. Im Westen verzeich­ne­ten die dorti­gen IHKs einen Zuwachs der Beratun­gen von 13 %, während der Bedarf in Norddeutsch­land rückläu­fig war (-9%).
  • Zu hoher Kaufpreis: Nach wie vor stellt der gefor­der­te Kaufpreis die größte Hürde für einen gelin­gen­den Nachfol­ge­pro­zess dar. 44 % der Alt-Unter­neh­mer forder­ten einen – gemes­sen am Markt­um­feld – zu hohen Kaufpreis. Aus den Gesprä­chen wurde ersicht­lich, dass viele Unter­neh­mer die Mühen für Ihr Lebens­werk mit einge­preist haben, während Kaufin­ter­es­sen­ten eher nüchtern Blick auf das Markt­po­ten­ti­al und die Ertrags­per­spek­ti­ven eines Unter­neh­mens schau­en. Inves­ti­ti­ons­staus im Mittel­stand und immer schnel­ler werden­de Innova­ti­ons­zy­klen wirken dabei ebenfalls wertmin­dernd. 40 % der Kaufin­ter­es­sen­ten unter­schät­zen die Anfor­de­run­gen an eine Übernah­me, 43% der Inter­es­sen­ten berich­te­ten von Finan­zie­rungs­schwie­rig­kei­ten und 47% der Kaufin­ter­es­sen­ten finden kein passen­des Unter­neh­men.
  • Kein Notfall­kof­fer: 72 % der Alt-Unter­neh­mer sind für eine akute Übernah­me­si­tua­ti­on nicht vorbe­rei­tet und haben die notwen­di­gen Dokumen­te nicht parat.
  • Mehr Frauen: 20% der Kaufin­ter­es­sen­ten waren Frauen, die die IHK-Beratun­gen aufsuch­ten. Zwar steigt die Zahl stetig an, jedoch liegt die Quote noch deutlich unter der Zahl der Existenz­grün­de­rin­nen.
  • Kein passen­der Nachfol­ger: 45% der Befrag­ten Unter­neh­mer gaben an, keinen passen­den Nachfol­ger zu finden. In einigen Branchen gibt es bereits deutlich mehr Käufer als Verkäu­fer. Beson­ders drama­tisch ist die Situa­ti­on bereits im Handel, dem Hotel- und Gast- sowie dem Verkehrs­ge­wer­be. In diesen Branchen gibt es bis zu zweimal mehr abgabe­wil­li­ge Unter­neh­mer als Nachfol­ger.
  • Kein Neuan­fang möglich: 37 % der Senior-Unter­neh­mer können nicht „loslas­sen“.
  • Engpass mittel­stän­di­sche Indus­trie: Die Relati­on Senior-Unter­neh­mer zu Übernah­me­in­ter­es­sen­ten ist in der Indus­trie am ungüns­tigs­ten. Hier kommen 5 Altin­ha­ber auf einen Inter­es­sen­ten. Zum zumeist hohen Kapital­be­darf der Kaufpreis­fi­nan­zie­rung kommt oftmals ein hoher Inves­ti­ti­ons­stau. Vielfach wurde aufgrund der bevor­ste­hen­den Übernah­me nicht mehr inves­tiert. Diese Zurück­hal­tung wirkt gerade im Zeital­ter der Digita­li­sie­rung, von Indus­trie 4.0 und immer schnel­le­ren Entwick­lungs­zy­klen wertmin­dernd.
  • Erbschafts­steu­er: Mit der Entschei­dung zur Erbschafts­steu­er haben viele Famili­en­un­ter­neh­men jetzt Rechts­si­cher­heit bei Inves­ti­tio­nen, Einstel­lun­gen und bei der Unter­neh­mens­nach­fol­ge. Jedoch bleibt die steuer­li­che Entlas­tung auf der Tages­ord­nung.

Idealer Zeitplan zur Unter­neh­mens­nach­fol­ge

Das K.E.R.N-Fazit: Unseres Erach­tens ist der (auch vom  DIHK empfoh­le­ne) ideale Zeitplan zur Unter­neh­mens­nach­fol­ge dringend zu beach­ten:

  • K.E.R.N und der DIHK raten dazu, „die Braut zu schmü­cken“: Drei bis fünf Jahre vor der Überga­be sollte das Unter­neh­men fit für die nächs­te Genera­ti­on gemacht werden.
  • Übernah­me­stra­te­gie festle­gen: Drei Jahre vor der Übernah­me sollte deine geeig­ne­te Überga­be­stra­te­gie mit Termin­kor­ri­do­ren schrift­lich fixiert werden.
  • Unter­neh­men überge­ben: 12 Monate vor der Überga­be sollte mit dem Überga­be­pro­zess begon­nen werden, insbe­son­de­re gilt es, einen Kaufin­ter­es­sen­ten zu finden.
  • Stunde „0“: Nach der Überga­be muss das Spannungs­feld der Inter­es­sen von Inhaber, Familie und Nachfol­ger gelöst sein.

Der DIHK-Report zeigt, dass die Heraus­for­de­run­gen für Unter­neh­mens­nach­fol­gen größer werden. Aufgrund des abseh­ba­ren Käufer­mark­tes können sich Nachfol­ger ihre Unter­neh­men zum Teil bereits aussu­chen. Dabei gehen diese Inter­es­sen­ten sehr struk­tu­riert vor und favori­sie­ren gut vorbe­rei­te­te und ertrags­star­ke Unter­neh­men. Vor diesem Hinter­grund  zahlt sich eine gute Vorbe­rei­tung des Genera­ti­ons­wech­sels und ein schrift­lich fixier­ter Zeitplan aus. Zur Vermei­dung teurer Fehler lohnt es sich, diese Lebens­ent­schei­dung durch einen trans­ak­ti­ons­er­fah­re­nen Berater zu beglei­ten.

Über den Autor:

Ingo Claus ist Partner von K.E.R.N – Die Nachfolge­spezialisten in Osnabrück, Münster sowie im Emsland. Er beglei­tet Famili­en­un­ter­neh­men beim Genera­ti­ons­wech­sel bzw. den Unter­neh­mens­kauf oder Unter­neh­mens­ver­kauf im Mittel­stand.

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