Erbschaft­steu­er: Verbes­se­run­gen bei Unter­neh­mens­be­wer­tung unbefrie­di­gend

Fundierte Unternehmensbewertung zahlt sich bei Erbschaftssteuer aus

Eine fundier­te Unter­neh­mens­be­wer­tung ist insbe­son­de­re zu erbschaft- und schen­kungs­steu­er­li­chen Zwecken unumgäng­lich. Die Ertrags­wert­me­tho­de ist dabei heute Standard – entwe­der in Form des verein­fach­ten Ertrags­wert­ver­fah­rens gemäß Bewer­tungs­ge­setz oder nach den Grund­sät­zen des Insti­tuts der Wirtschafts­prü­fer e.V. (IDW S1). Das früher gängi­ge Stutt­gar­ter Verfah­ren findet sich zwar noch in einer Vielzahl von Gesell­schafts­ver­trä­gen, ist jedoch zu steuer­li­chen Zwecken nicht mehr erlaubt.

Reduzie­rung des Kapita­li­sie­rungs­fak­tors beim verein­fach­ten Ertrags­wert

Mit Blick auf die Erbschaft­steu­er­re­form, die im vergan­gen Jahr rückwir­kend zum 1. Juli 2016 in Kraft getre­ten ist, hat sich eine Verbes­se­rung bei der Anwen­dung des verein­fach­ten Ertrags­wert­ver­fah­rens ergeben. Die vorher gülti­ge Fassung des Bewer­tungs­ge­set­zes führte regel­mä­ßig zu überhöh­ten Unter­neh­mens­wer­ten. Für alle Bewer­tungs­stich­ta­ge nach dem 1. Januar 2016 hat sich der Kapita­li­sie­rungs­fak­tor von 17,86 auf 13,75 reduziert. Außer­dem ist bei Erfül­lung bestimm­ter, insge­samt restrik­ti­ver Krite­ri­en ein Bewer­tungs­ab­schlag von 30% möglich. Die Absen­kung des Kapita­li­sie­rungs­fak­tors ist ein Schritt in die richti­ge Richtung, wenngleich sich im aktuel­len Niedrig­zins­um­feld in vielen Fällen weiter­hin überhöh­te Werte ergeben. Der neue, stati­sche Kapita­li­sie­rungs­fak­tor von 13,75 entspricht verein­facht einem Kapita­li­sie­rungs­zins­fuß von ca. 7,3%. Diese Größen­ord­nung ist bei kleinen, inhaber­ge­führ­ten Mittel­ständ­lern wegen der höheren Risiken einer Unter­neh­mens­nach­fol­ge reali­täts­fern. Je nach subjek­ti­ver Einschät­zung der tatsäch­lich vom abgeben­den Unter­neh­mer auf den Nachfol­ger übertrag­ba­ren Ertrags­kraft sind in der Bewer­tungs­pra­xis regel­mä­ßig zweistel­li­ge Diskon­tie­rungs­sät­ze markt­üb­lich.

Eine nicht sachge­rech­te Unter­neh­mens­be­wer­tung kann im Falle von famili­en­in­ter­nen Anteils­über­tra­gun­gen überhöh­te Schen­kungs- oder Erbschaft­steu­er­zah­lun­gen oder zu hohe Ausgleichs­zah­lun­gen zulas­ten der überneh­men­den Famili­en­mit­glie­der zur Folge haben. Bei einer beabsich­tig­ten Unter­neh­mens­ver­äu­ße­rung kann deshalb eine falsche Bewer­tung zu überhöh­ten und damit unrea­lis­ti­schen Kaufpreis­for­de­rung führen, die unter Umstän­den die Veräu­ßer­bar­keit beein­träch­tigt.

IDW-Ertrags­wert erlaubt realis­ti­sche­re Unter­neh­mens­be­wer­tung

Das IDW-Verfah­ren orien­tiert sich demge­gen­über aufgrund einer objek­ti­vier­ten Einschät­zung der zukünf­ti­gen Überschüs­se und eines realis­ti­schen Kapita­li­sie­rungs­zins­fu­ßes näher am Markt­wert des Unter­neh­mens. Damit unter­liegt der Kapita­li­sie­rungs­fak­tor einer fortlau­fen­den Anpas­sung an die tatsäch­li­chen Markt­ge­ge­ben­hei­ten im Zeitver­lauf. Beide Verfah­ren werden von den Finanz­be­hör­den bei der Bemes­sung der Schen­kungs- oder Erbschaft­steu­er akzep­tiert. Eine fachge­rech­te, wenn auch etwas aufwän­di­ge­re IDW-Ertrags­wert­ermitt­lung bleibt damit auch zukünf­tig vorzu­zie­hen, da sie einen größe­ren Spiel­raum bietet und die Ermitt­lung realis­ti­scher Markt­wer­te zulässt.

Somit zahlt es sich aus, für eine fundier­te Unter­neh­mens­be­wer­tung die Hilfe von Spezia­lis­ten in Anspruch zu nehmen. Aufgrund ihrer langjäh­ri­gen Erfah­rung wenden diese das Ertrags­wert­ver­fah­ren richtig an und kommen damit zu sach- und markt­ge­rech­ten und damit fundier­ten Unter­neh­mens­be­wer­tun­gen.

Über den Autor:

Thomas Dörr ist Partner von K.E.R.N – Die Nachfolge­spezialisten in Frank­furt. Er beglei­tet Unter­neh­mer bei der Unter­neh­mens­nach­fol­ge, beim Firmen­kauf und beim Unter­neh­mens­ver­kauf in Frank­furt, Hessen und Rhein-Main.

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