Firmenverkäufe im Emsland steigen

Firmen­ver­käu­fe nehmen im Emsland zu

Famili­en­in­ter­ne Nachfol­gen werden weniger und Firmen­ver­käu­fe nehmen im Emsland zu. Der Unter­neh­mens­ver­kauf des Entsor­gungs­fach­be­trie­bes Klumpe im nordöst­li­chen Emsland an die famili­en­geführ­te Remon­dis-Gruppe unter­streicht einen Trend, dem sich auch das Emsland nicht entzie­hen kann. So berich­te­te die Neue Osnabrü­cker Zeitung heute, dass keine der fünf Töchter des bishe­ri­gen Inhabers Wilhelm Klumpe als Unter­neh­mens­nach­fol­ge­rin zur Verfü­gung steht.

Weniger inner­fa­mi­liä­re Nachfol­gen bundes­weit

Im Falle des Firmen­ver­kaufs an einen strate­gi­schen Inves­tor sichert die der Klumpe GmbH 65 Arbeits­plät­ze in Werlte und Bösel. Gleich­zei­tig geht mit der Trans­ak­ti­on die rund 150jährige Geschich­te eines Famili­en­un­ter­neh­mens zu Ende. Denn das Tradi­ti­ons­un­ter­neh­men ist jetzt Teil eines 30.000 Mitar­bei­ter zählen­den Konzerns mit weltweit 800 Stand­or­ten.

Somit steht dieser Unter­neh­mens­ver­kauf im Emsland exempla­risch für einen Trend, der viele von Famili­en­un­ter­neh­men gepräg­te Regio­nen nachhal­tig verän­dert. Die gebur­ten­star­ken Unter­neh­mer­jahr­gän­ge der 1950er und 1960er Jahre berei­ten sich auf den Ruhestand vor. Für diese Firmen­chefs war es noch normal, dass Sie als Nachfol­ger in die unter­neh­me­ri­schen Fußstap­fen der Eltern traten. Denn noch vor weniger als zwei Jahrzehn­ten war die famili­en­in­ter­ne Unter­neh­mens­nach­fol­ge im Mittel­stand üblich. Damals wurden etwa zwei Drittel aller Genera­ti­ons­wech­sel von Famili­en­be­trie­ben zwischen den Genera­tio­nen organi­siert.

Unter­neh­mens­ver­käu­fe steigen nicht nur im Emsland

Während­des­sen muss jetzt eine ganze Genera­ti­on Famili­en­un­ter­neh­mer außer­halb der eigenen Familie einen Nachfol­ger suchen. Denn die Junio­ren scheu­en famili­en­in­ter­ne Unter­neh­mens­nach­fol­gen: Der gute Arbeits­markt, andere Lebens­mo­del­le oder andere unter­neh­me­ri­sche Ambitio­nen sind einige Gründe.

Laut einer Studie der Unter­neh­mens­be­ra­tung EY wollten 2015 nur etwa vier Prozent der studie­ren­den deutschen Unter­neh­mer­kin­der die Firma ihrer Eltern in den nächs­ten fünf Jahren überneh­men. Nur jedes achte Unter­neh­mer­kind denkt nach dieser Studie überhaupt über eine Übernah­me des elter­li­chen Betrie­bes nach.

Profes­sor Thomas Zellwe­ger von der Univer­si­tät St. Gallen unter­strich gegen­über der Schwei­zer Handels­zei­tung ein weite­res Problem: „Töchter erach­ten eine unter­neh­me­ri­sche Laufbahn riskan­ter als Söhne.”

Dadurch verstärkt sich die Konso­li­die­rung vieler Branchen. Bereits heute suchen strate­gi­sche Inves­to­ren gezielt nach geeig­ne­ten Übernah­me­kan­di­da­ten im von Famili­en­un­ter­neh­men gepräg­ten Handwerk, im Bauwe­sen, nach Produk­ti­ons­be­trie­ben oder Dienst­leis­tungs­un­ter­neh­men.

Genera­ti­ons­wech­sel außer­halb der Familie prüfen

Doch was bedeu­ten diese Entwick­lun­gen für Famili­en­un­ter­neh­men konkret? Zunächst ist es wichtig, die Unter­neh­mens­nach­fol­ge als strate­gi­sches Projekt zu beglei­ten. Dabei hilft es, die drei Ws der Unter­neh­mens­nach­fol­ge zu beant­wor­ten: Was soll Wann an Wen überge­hen?

Auf jeden Fall hilft ein klarer Zeitplan, der gemein­sam mit den betrof­fe­nen Famili­en­mit­glie­dern bespro­chen und schrift­lich fixiert wird. Hierbei muss auch die Nachfol­ge­fä­hig­keit des Famili­en­be­trie­bes offen disku­tiert werden.

Unter­neh­mens­nach­fol­ge sorgfäl­tig planen

Entschei­det sich die Familie gegen eine famili­en­in­ter­ne Lösung ist ein famili­en­frem­der Geschäfts­füh­rer oft die Lösung. Für viele kleine Famili­en­be­trie­be ist dies undenk­bar. In der Folge steht der Unter­neh­mens­ver­kauf als Alter­na­ti­ve im Raum.

Aufgrund des Fachkräf­te- und Unter­neh­mer­man­gels gibt es bereits heute in vielen Branchen mehr Verkaufs­an­ge­bo­te als Kaufin­ter­es­sen­ten. Erfah­rungs­ge­mäß konzen­trie­ren sich Inter­es­sen­ten auf Firmen, die einen Verkaufs­pro­zess gut und struk­tu­riert vorbe­rei­tet haben. Demzu­fol­ge zahlt sich für abgeben­de Unter­neh­mer eine gute Vorbe­rei­tung und die Beglei­tung durch trans­ak­ti­ons­er­fah­re­ne Spezia­lis­ten aus. Dies vermei­det teure Fehler oder gar Projekt­ab­brü­che.

Denn die demogra­fi­sche Entwick­lung zeigt: Die Firmen­ver­käu­fe nehmen im Emsland aber auch in allen anderen von Famili­en­un­ter­neh­men gepräg­ten Regio­nen wie Ostwest­fa­len, dem Münster­land oder auch dem Osnabrü­cker Land stetig zu.

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