Geziel­te Bilanz­be­rei­ni­gung kann Unter­neh­mens­wert erhöhen

Die Bilanz­po­li­tik von mittel­stän­disch gepräg­ten Famili­en­un­ter­neh­men unter­liegt anderen Gepflo­gen­hei­ten als die von Konzer­nen. Neben der Erhal­tung finan­zi­el­ler Mittel im Betrieb steht regel­mä­ßig die Optimie­rung der Steuer­last im Vorder­grund. Unser Autor Thomas Dörr beschreibt in einem Artikel für die deutsche Unter­neh­mer­bör­se, wie geziel­te Bilanz­be­rei­ni­gung des Unter­neh­mens­wert erhöhen kann. 

Im Rahmen der steuer­recht­li­chen Möglich­kei­ten bleibt dies für den vorsich­tig bilan­zie­ren­den Kaufmann unver­än­dert richtig. Schließ­lich hat selbst Altkanz­ler Helmut Schmidt hierzu durch sein Bonmot „Wer die Pflicht hat, Steuern zu zahlen, der hat auch das Recht, Steuern zu sparen“ seinen Segen gegeben.

Sofern jedoch ein Verkauf des Unter­neh­mens - etwa anläss­lich einer geplan­ten Unter­neh­mens­nach­fol­ge - ansteht, gelten andere Grund­sät­ze. Im Hinblick auf die Attrak­ti­vi­tät des Unter­neh­mens gegen­über poten­zi­el­len Inves­to­ren ist obers­te Maxime, die Werte des Unter­neh­mens trans­pa­rent darzu­stel­len. Hierzu zählen insbe­son­de­re stille Reser­ven in der Bilanz, die nach Möglich­keit nicht still bleiben sollten. Dies bleibt auch dann richtig, wenn sich durch die Hebung stiller Reser­ven kurzfris­tig eine höhere Steuer­last ergibt.

Steuer­op­ti­mie­run­gen und Pensi­ons­rück­stel­lun­gen auflö­sen

Grund­sätz­lich ist die Bilanz­sum­me soweit wie möglich zu reduzie­ren. Alle Bilanz­po­si­tio­nen, die nicht eindeu­tig dem Unter­neh­men zurechen­bar sind, sollten die Bilanz verlas­sen. Auf der Aktiv­sei­te zählen hierzu Fahrzeu­ge und selte­ner Immobi­li­en, sofern diese jeweils auch privat genutzt werden. Auf der Passiv­sei­te ist der größte zu berei­ni­gen­de Posten zumeist eine Pensi­ons­rück­stel­lung des Unter­neh­mens­in­ha­bers. Diese sollte ebenfalls im Wege einer Rückde­ckung per Versi­che­rungs­lö­sung die Bilanz verlas­sen. Soweit möglich sollten auch Gesell­schaf­ter­dar­le­hen frühzei­tig zurück­ge­führt oder ersetzt werden. Überge­ord­ne­tes Ziel ist es, die Sphären der Altge­sell­schaf­ter und des zu veräu­ßern­den Unter­neh­mens im Vorfeld des Veräu­ße­rungs­pro­zes­ses klar von einan­der zu trennen. Dies hat den positi­ven Neben­ef­fekt, dass sich die Bilanz­kenn­zah­len im Regel­fall verbes­sern.

Bewer­tun­gen am Markt­wert ausrich­ten

Sämtli­che Vermö­gens­ge­gen­stän­de sind auf den realis­ti­schen Verkehrs­wert zu überprü­fen. Ist der Forde­rungs­be­stand angemes­sen wertbe­rich­tigt? Sind Waren­la­ger und Vorrats­ver­mö­gen realis­tisch bewer­tet oder wurden Bilan­zie­rungs­spiel­räu­me genutzt? Generell gilt im Vorfeld einer Unter­neh­mens­ver­äu­ße­rung, das Vorrats­ver­mö­gen gering zu halten und um Altbe­stän­de und Laden­hü­ter zu berei­ni­gen. Auch das Anlage­ver­mö­gen ist auf plausi­ble Verkehrs­wer­te oder Wieder­be­schaf­fungs­wer­te zu überprü­fen. In Zweifels­fäl­len ist ein exter­nes Wertgut­ach­ten einzu­ho­len. Natür­lich können sich dabei sowohl stille Reser­ven als auch Lasten ergeben.

Auf der Passiv­sei­te sind die Rückstel­lun­gen auf ihre Angemes­sen­heit zu überprü­fen. Sind beispiels­wei­se Gewähr­leis­tungs­rück­stel­lun­gen in der bilan­zier­ten Höhe realis­tisch? Ist die Nutzung der Anspar­rück­stel­lun­gen tatsäch­lich geplant? Angesichts des beabsich­tig­ten Verkaufs sollten alle größe­ren Inves­ti­tio­nen ohnehin zurück­ge­stellt werden bzw. die Inves­ti­ti­ons­ent­schei­dung dem neuen Eigen­tü­mer überlas­sen werden. Bei konser­va­tiv geführ­ten, profi­ta­blen Famili­en­un­ter­neh­men sind stille Reser­ven in der Bilan­zie­rung von Rückstel­lun­gen häufig anzutref­fen.

Recht­zei­tig mit der Bilanz­be­rei­ni­gung begin­nen

Bei einer Unter­neh­mens­ver­äu­ße­rung sind die letzten drei Geschäfts­jah­re von beson­de­rer Bedeu­tung. Sie stehen bei der Due Diligence durch den Erwer­ber im Fokus. Umgekehrt heißt dies, dass der Unter­neh­mer sich weit vor seinem geplan­ten Rückzug mit dem Thema Bilan­zie­rung befas­sen sollte. In diesem Zeitraum sollten keine wesent­li­chen langfris­tig binden­den Verträ­ge mehr einge­gan­gen werden, die die Gewinn- und Verlust­rech­nun­gen nach der Unter­neh­mens­ver­äu­ße­rung belas­ten. Die Abkehr von der steuer­op­ti­mier­ten, konser­va­ti­ven Bilan­zie­rung kann in diesen und gegebe­nen­falls voran­ge­gan­ge­nen Geschäfts­jah­ren höhere Ertrag­steu­ern zur Folge haben. Gleich­zei­tig  verbes­sern sich sowohl das opera­ti­ve Ergeb­nis als auch die betriebs­wirt­schaft­li­chen Kennzah­len des Unter­neh­mens. Der Effekt auf den Unter­neh­mens­wert und damit den poten­ti­ell erziel­ba­ren Verkaufs­preis ist meist höher als der poten­ti­el­le Steuer­ef­fekt.

Die letzten drei Geschäfts­jah­re stehen auch bei der Vergan­gen­heits­ana­ly­se im Rahmen der Unter­neh­mens­be­wer­tung im Vorder­grund und tragen maßgeb­lich zur Plausi­bi­li­sie­rung der Planzah­len bei. Da die Unter­neh­mens­be­wer­tung nichts anderes ist als die „Verbar­wer­tung“ der Planer­geb­nis­se erhöht sich der später erziel­ba­re Kaufpreis. Die Berei­ni­gung der Bilanz hilft, die Lücke zwischen den Kaufpreis­vor­stel­lun­gen von Käufer und Verkäu­fer teilwei­se zu schlie­ßen.

Natür­lich kann der Verkäu­fer die Analy­se und die Aufde­ckung der Bilanz­re­ser­ven dem Unter­neh­mens­be­wer­ter oder Inves­tor überlas­sen. Wie überall existiert aber auch im Markt für Unter­neh­mens­trans­ak­tio­nen ein schar­fer Wettbe­werb. Daher muss der erste Blick auf die Zahlen stimmen, um die richti­gen Inves­to­ren anzulo­cken und ein nachhal­ti­ges Inter­es­se am eigenen Unter­neh­men zu erzeu­gen. Zur Optimie­rung der Kaufpreis­kon­di­tio­nen gilt erfah­rungs­ge­mäß der Satz: Tue Gutes und rede darüber!

Über den Autor:

Thomas Dörr ist Partner von K.E.R.N – Die Nachfolge­spezialisten in Frank­furt und beglei­tet Unter­neh­mer bei der Unter­neh­mens­nach­fol­ge sowie beim  Unter­neh­mens­ver­kauf und Firmen­kauf in Frank­furt, Wiesba­den und Hessen.

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